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Weshalb weniger Fleisch?

Zugegeben: Es ist keine große Neuigkeit, dass unser Fleischkonsum negative Folgen hat. Bemerkenswert sind jedoch die Vielfalt seiner Konsequenzen und die Schlagkraft der Argumente, die für eine vegetarische Ernährung sprechen. Deshalb wollen wir hier noch einmal die verschiedenen guten Gründe

darstellen, die eine Verringerung des Fleisch- bzw. Fischkonsums nahe legen. Es wird sich zeigen, dass erstaunlich viel zur Lösung globaler Probleme beigetragen werden kann, wenn wir unsere Ernährung weitgehend umstellen.


Sonne

Die Tierhaltung ist weltweit für 18 Prozent aller menschliche verursachten Treibhausgasemissionen verantwortlich. [1]

Neue Zahlen machen die Fleisch- und Milchproduktion insbesondere in der industriellen Landwirtschaft dafür verantwortlich, einen erhebliche Beitrag zum Klimawandel zu leisten – bei steigender Tendenz. Im Fall von CO2 beträgt der Anteil weltweit neun Prozent, bei Methan sogar ein Drittel und bei Lachgas fast zwei Drittel. Damit belastet die landwirtschaftliche Nutztierhaltung das Klima deutlich mehr als der gesamte Transportverkehr der Welt zusammengenommen – Autos, Eisenenbahnen, Schiffe und Flugzeuge mit 13,5 Prozent. Die drei Hauptquellen sind Landnutzungsänderungen (vor allem durch die Entwaldung für Futtermittel und Weideland), die Erzeugung und Aufbringung von synthetischen und organischen Düngern sowie die mikrobielle Verdauung von Wiederkäuern. Dass im Energiebereich Maßnahmen ergriffen werden, um den Ausstoß von Treibhausgasen zu verringern, ist für uns inzwischen selbstverständlich. Unseren Lebensstil zu verändern, stellt jedoch einen ebenso ambitionierten wie effektiven Weg dar, das Klima zu stabilisieren.

Durch eine Reduktion des Fleischkonsums könnten der Klimawandel entscheidend begrenzt und die durch ihn verursachten Kosten um weltweit 20 Milliarden US-Dollar verringert werden. [2]

Quellen:

[1] Food and Agriculture Organisation of the United Nations (Hrsg.): Livestock’s Long Shadow – Environmental Issues and Options www.fao.org/docrep/010/a0701e/
a0701e00.HTM

[2] Climatic Change (DOI: 10.1007/s1). Climate Benefits of changing diets. www.springerlink.com/content/
053gx71816jq2648/

Regentropfen

Die Erzeugung tierischer Produkte ist enorm wasserintensiv.

Wie viel Wasser wir verbrauchen, hängt nicht maßgeblich davon ab, wie viel wir trinken oder für Kochen, Waschen und Körperpflege benötigen. Am stärksten wird unser Wasserbedarf indirekt, über unsere Ernährung, bestimmt. Pro Person werden je nach Ernährungsweise für den Anbau von Nahrungsmitteln täglich 2.000 bis 5.000 Liter Wasser benötigt, wobei tierische Produkte deutlich ressourcenintensiver als die Erzeugung von pflanzlicher Nahrung sind: Für die Produktion von einem Kilogramm Äpfel sind im Schnitt 700 Liter Wasser, für 1 kg Kartoffeln 900 Liter notwendig. Für 1 kg Rindfleisch beträgt der Wasserverbrauch hingegen 15500 Liter.

An einem Tag, an dem wir uns vegetarisch ernähren, sparen wir bis zu 90 Badewannen voll Wasser. [3]

Insbesondere in Ländern, die stark von Wassermangel und Dürre betroffen sind, zieht die wasserintensive Produktion von Fleisch häufig immense ökologische Konsequenzen und soziale Ungerechtigkeit nach sich. Doch auch Deutschland und andere Teile Europas verzeichnen stetig schrumpfende Trinkwasserressourcen. Neben der (Trink-)Qualität ist insbesondere die mengenmäßige Verfügbarkeit von Wasser entscheidend für funktionierende Ökosysteme, für unsere Gesundheit und letztlich auch für wirtschaftliches Wachstum.

[3] World Watch Institute (Hrsg.).: Meat. Now, it’s not personal! Juli/August 2004. http://www.worldwatch.org/
system/files/EP174A.pdf

Tropfen

Tierhaltung und Fleischerzeugung tragen stark zur Umweltverschmutzung und
–zerstörung bei.

Vor allem die landwirtschaftliche Nutzung schmälert das Vorkommen sauberen Wassers: Massenhafte Tierhaltung und Fleischerzeugung führen durch tierische Exkremente nicht nur zu Geruchsbelästigung und erhöhter Gefahr der Krankheitsübertragung von Tier auf Mensch, sondern tragen enorm zur Verschmutzung des Grund- und Oberflächenwassers bei, indem sie über Düngung und Abwässer in die Umwelt gelangen. Die Belastung der Flüsse und Seen führt auch zur Überdüngung der Weltmeere, was unter anderem das Absterben der Meeresbodenfauna zur Folge hat. Schwefel- und Salpetersäure, die sich in der Atmosphäre aus großen Mengen von durch Tierhaltung verdunsteten Stoffen bilden, sind für die Entstehung des „Sauren Regens“ und somit auch des Waldsterbens mitverantwortlich.

Täglich werden riesige Flächen unersetzlicher Urwälder zur Gewinnung von Weideflächen und für Anbauflächen von Futtermitteln unwiederbringlich zerstört. Unzählige artenreiche Landschaften haben schon der Viehwirtschaft und Monokulturen weichen müssen, wodurch Zehntausende von Pflanzen- und Tierarten aussterben.

Insgesamt 80 Prozent des Regenwaldverlustes im Amazonasgebiet gehen auf das Konto der Tierhaltung. [4]

[4] Greenpeace Brazil (Hrsg.). Amazon Cattle Footprint, Mato Grosso: State of Destruction. www.greenpeace.org/raw/
content/usa/press-center/reports4/amazon-cattle-footprint-mato.pdf

Rechnung

Im Schnitt ist ein Aufwand von sieben pflanzlichen Kalorien notwendig, um eine tierische Kalorie zu erzeugen.

Um 1kg Rindfleisch zu gewinnen, werden 10 kg Getreide benötigt. Zur Zeit werden weltweit deshalb 30 bis 50 Prozent der gesamten Getreide- und 90 Prozent der Sojaernte an Tiere verfüttert. Um die Fleis chmengen zu produzieren, die wir verbrauchen, werden massiv Futtermittel aus so genannten „Entwicklungsländern“ importiert. Ernteerträge, die als Futtermittel verwendet werden, stellen eine starke Konkurrenz für den Anbau von Nahrungspflanzen für den direkten menschlichen Verzehr dar. Institutionen wie die WTO, die Weltbank, der IWF und die EU haben über Exportsubventionen in zahlreichen Ländern kleinbäuerliche Strukturen abgeschafft, die durch regionale Selbstversorgung eine weltweite Verteilung der Nahrungsmittel gewährleisten könnten. Das Fehlen genau dieser Nutzflächen für pflanzliche Nahrung hat oft verheerende Konsequenzen. Mehr als eine Milliarde Menschen ist permanent schwer unterernährt, täglich sterben 100 000 Menschen an Hunger oder seinen unmittelbaren Folgen. Dem Welternährungsbericht zu Folge könnte die weltweite Landwirtschaft insgesamt zwölf Milliarden Menschen normal ernähren (2700 Kalorien pro Kopf täglich) – also fast doppelt so viele wie auf der Welt leben. Durch eine Senkung des Fleischkonsums könnten große Anbauflächen und Getreidemengen zugunsten der menschlichen Ernährung statt für die Viehmast genutzt werden.

100 Millionen Menschen könnten zusätzlich ernährt werden, wenn die Industrieländer ihren Fleischverbrauch um nur 10% reduzieren würden.

Schwein

Um die enormen Mengen billigen Fleisches und Fisches zu liefern, die wir derzeit konsumieren, muss die Industrie zwangsläufig moralische Standards überschreiten, die den meisten selbstverständlich erscheinen.

Die Nachfrage nach billigem Fleisch bzw. Fisch und der ansteigende Verbrauch haben die Massentierhaltung zu einem profitablen Geschäft gemacht. Inzwischen stammen in Deutschland etwa 96% aller Rinder und 98% aller Hühner und Schweine, die für den Verzehr bestimmt sind, aus Massentierhaltung. Diese strebt danach, eine maximale Menge an Fleisch, Milch und Eiern so schnell und billig wie möglich bei möglichst minimaler Platzanforderung zu produzieren. Dies zieht eine dramatische Verschlechterung der Lebenssituation und des Todes unserer Nutztiere nach sich. Da Beengtheit die wesentliche Grundlage für Erkrankungen bietet, werden die Tiere mit hohen Mengen an Pestiziden und Antibiotika gefüttert und besprüht, die sich in ihren Körpern ansammeln und beim Verzehr auf Menschen übergehen, was für diese wiederum zu ernsthaften Gesundheitsgefährdungen führt. [5]

Industrielle Fischerei ist nicht genau dasselbe wie Massentierhaltung, aber Teil desselben landwirtschaftlichen Prinzips. Dies zeigt sich deutlich in der Aquakultur und auch beim Wildfang. Der kommerzielle Fischfang beeindruckt einerseits durch sein Ausmaß – inzwischen sind Fischbestände der Weltmeere in existentieller Gefahr, über 80 Prozent gelten nach Schätzungen der FAO trotz internationaler Regelungen und Fangquoten als überfischt – als auch durch seine schonungslosen Fangtechniken. Diejenigen Tiere (neben Meeresfischen sind auch Seevögel, Wale, Delfine und Schildkröten betroffen), die in Schleppnetzen und an Langleinen hängen bleiben, jedoch nicht das ursprüngliche Fangziel gewesen sind, werden zum größten Teil tot über Bord geworfen. Dieser so genannten „Beifang“ macht bis zu 90% des Fangs aus. [6]

Durch ein verantwortungsbewusstes Konsumverhalten lassen sich die Probleme der modernen Massentierhaltung beeinflussen.

[5] Ausführliche Informationen hierüber finden sich an vielen Stellen, u.a. zu Massentierhaltung: http://vebu.de/tiere-a-ethik/tiere-und-tierhaltung/massentierhaltung, dagegen zu den Bedingungen im Ökologische Landbau: http://www.oekolandbau.de/
verbraucher/wissen/

[6] Einen guten Überblick zu Fischzucht, Überfischung, Beifang und deren Konsequenzen gibt es bei Greenpeace: http://oceans.greenpeace.org/
de/unsere-ozeane/ueberfischung

blatt

Menschen brauchen Eiweiß, nicht Fleisch

Allen Mythen zum Trotz: Eine ausgewogene und vollwertige vegetarische Ernährung enthält sämtliche vom menschlichen Körper benötigten Nährstoffe in ausreichender Menge. Dabei können nicht nur genügend Eiweiße, Fette, Kohlenhydrate, Vitamine und Mineralstoffe aufgenommen, sondern auch bestimmte Erkrankungen behandelt bzw. vorgebeugt werden. Ernährungswissenschaftliche Studien zeigen, dass Vegetarier eine höhere Lebenserwartung haben, weniger übergewichtig sind und seltener krank werden.