Skinny Bitch
Schlank sein ist eigentlich nicht unser Thema hier bei Halbzeitvegetarier. Aufgrund der häufigen Erwähnung des Buches haben wir uns für Euch trotzdem mal “Skinny Bitch” durchgelesen, allerdings mit eher gemischten Gefühlen. Denn mag das Buch auch viele wertvolle Tips zum veganen Lebensstil liefern, andere Aspekte kamen uns dabei etwas zu kurz.
Der Untertitel zu “Skinny Bitch” von Rory Freedman und Kim Barnouin lautet “Die Wahrheit über schlechtes Essen, fette Frauen und gutes Aussehen”. In diesem bestenfalls als unhöflich salopp zu bezeichnenden Tonfall setzt sich das Buch auch fort – mit vereinfachten Wahrheiten und Milchmädchenrechnungen, wie z.B. “Gesund = dünn. Ungesund = fett”. Im folgenden erzählen die beiden Autorinnen über Giftstoffe im Essen, Massentierhaltung und die Schäden einer Ernährung die übermäßig reich an tierischen Proteinen isst. Das sind zweifelsohne wichtige und gute Informationen, jedoch ist wenig Neues dabei wenn man sich schon länger mit dem Thema beschäftigt. Zusätzlich geben die Autorinnen weitere Empfehlungen, z.B. zum Heilfasten. Da wir bei Halbzeitvegetarier aber keine Ärzte sind, können wir Euch Heilfasten nicht empfehlen – das würde unsere Kompetenzen überschreiten.
Der Erfolg des Buches wird oft darin gesehen, dass es einfach und einleuchtend ist. Für uns war das nicht ganz unproblematisch: Denn erstens sehen wir hier oft komplexe Zusammenhänge auf das Einfachste reduziert. Zweitens setzen die Autorinnen voraus, dass jeder, der die von ihnen genannten Fakten kennt, auch auf die selbe Konklusion kommen muss, nämlich dass man sich ausschließlich vegan und bio ernähren sollte, und dabei auf industrielle Bearbeitung weitestgehend verzichtet. Dies ist natürlich ein gutes Ideal, dem man gern entgegen streben sollte. Leider lassen die Autorinnen außer Acht dass dieses Ideal nicht für jeden Menschen und jede Lebenssituation passt.
Was jedoch für uns vor allem zu kurz kam, war der Aspekt des Respekts. Natürlich sind auch wir fest davon überzeugt, dass wir mehr Respekt vor dem Leben der Tiere, und auch vor unserem eigenen Körper brauchen. Es ist auch ganz klar der Fall, dass man diesen Respekt in Form einer nachhaltigen, umwelt- und tierfreundlichen Ernährung ausdrücken kann und nach individueller Möglichkeit auch sollte. Respektvolle, anständige und ethische Ernährung hat allerdings nichts mit Schlankheitswahn zu tun. Sie hat nichts damit zu tun, sich über Menschen mit einer anderen Meinung oder einer anderen Körperform auszulassen. Respekt hat auch nichts damit zu tun, Lesern ein negatives Selbstbild und Körpergefühl zu geben, oder einen herablassenden Tonfall zu verwenden – auch nicht mit der gut gemeinten Begründung, Menschen wachrütteln zu wollen. “Skinny Bitch” kann Lesern dabei helfen, den Anreiz zu einer veganen Ernährung zu finden. Dabei sollte man sich als Leser aber das Recht vorbehalten, in sich zu gehen und individuelle Lösungen für den eigenen Lebensstil zu finden.












